Auf dieser Seite stelle ich Ihnen empfehlenswerte Bücher anderer Autoren
und auch Musik-CDs vor, die ich Ihnen besonders ans Herz legen möchte!



Simon Lelic: Ein toter Lehrer : Roman
München : Droemer 2011. 348 S., geb.
Preis: 16,99 Euro
ISBN 978-3-426-19869-8


Haben Sie schon einmal erfahren müssen, was es bedeutet, Mobbing ausgesetzt zu sein? Wenn jeder Tag am Arbeitsplatz zum Spießrutenlauf wird, die Kollegen aus Angst oder Bequemlichkeit schweigen und wegsehen, die eigene Leistung bewusst geringgeschätzt wird?
Genau das widerfährt dem jungen Geschichtslehrer Samuel Szajkowski, der an einer Londoner Eliteschule angestellt wird. Weil er gewissen tonangebenden Personen im Kollegium nicht gefällt, gerät der Idealist ins Abseits. Doch auch die Schüler machen ihm das Leben schwer, spielen ihm Streiche, die schließlich in bösartige Attacken mit Körperverletzung als Folge übergehen. Im Internet entdeckt Samuel schließlich einen Blog, in dem übel über ihn hergezogen wird. Er bricht zusammen und läuft Amok: während einer Schulversammlung dringt er in die Aula ein und schießt um sich. Vier Menschen sterben, bevor der junge Lehrer sich selbst richtet.
Lucia May muss als polizeiliche Ermittlerin den Fall untersuchen. Stück für Stück enthüllt sich ihr während der Zeugenbefragungen eine schockierende Erkenntnis, die dem Ruf der Schule jedoch äußerst abträglich ist und die darum auf Weisung "von oben" unterdrückt werden soll. Nicht umsonst sitzt der Polizeidirektor im Stiftungsrat der Schule ... Was wird Lucia tun? Und kann sie sich gegen einen Kollegen durchsetzen, der sie unverblümt sexuell belästigt - was die anderen Männer im Team tunlichst ignorieren ... ?
Dieser Roman ist für mich eins der Bücher des Jahres! Kaum zu glauben, dass es sich dabei um ein Erstlingswerk handeln soll. Falls der Autor nicht selbst einmal Erfahrungen als Mobbingopfer gemacht hat, hat er hervorragend recherchiert. Hier stimmt wirklich alles - die Geschichte ist absolut authentisch, aber auch packend erzählt. In den Interviews, die die Ermittlerin mit den Zeugen führt, ist die Sprache der Befragten wiedergegeben, als wär's ein O-Ton: Jugendsprache, Arbeiterslang, hochgestochene Ausdrucksweisen der Bildungselite. Der Schluss bietet nochmals eine Überraschung, die glaubwürdig herüberkommt. Ein ganz wichtiges und ungewöhnliches Buch. Kaufen & lesen!
Simon Lelic: Ein toter Lehrer



Musik-CD:
Oceana: Love Supply
Label: Ministry O (edel)
ASIN: B 001 TKQ GJO



Im Jahr 1998 betrat eine blutjunge Sängerin die Musikszene, die damals zu einer unglaublich entspannten und lässigen Gitarren- und Keyboardbegleitung behauptete: "Es hat mich erwischt". Ihre stimmliche Bandbreite durfte sie hierbei noch nicht beweisen. Es folgte nur noch ein Duett mit Kim Frank von "Echt", dann hörte man lange nichts mehr von Oceana. Elf Jahre später bringt eine ausgereifte Künstlerpersönlichkeit nun ein englisches Debütalbum auf den Markt, bei dem jedes Lied Spaß macht. An den meisten Stücken hat Oceana auch mitgeschrieben. Der Stil? Sehr abwechslungsreich, von allem etwas - aber im besten Sinne. Alles, was schwarz und gut ist, hat Anteil an Oceanas Album: auch Reggae, Soul, Anklänge an die 60er. Man hat sie bereits mit Amy Winehouse und Duffy verglichen, aber Oceana ist etwas ganz Eigenes und hat es gar nicht nötig, irgendwen zu kopieren. Legen Sie diese CD auf, wenn Sie gute Laune bekommen wollen - zumindest bei mir hat es bisher immer funktioniert.
Oceana: Love Supply



Mark Mills: Die siebte Stufe : Roman
München : Blessing, 2009. 383 S.
Preis: 19,95 Euro
ISBN 978-3-89667-245-2


Ich habe schon lange keinen Roman mehr gelesen, der so spannend war wie "Die siebte Stufe". Teilweise habe ich manchmal vorhergeahnt, wie es weitergeht oder wie Verschiedenes zusammenhängt, aber das tat dem Lesegenuss überhaupt keinen Abbruch.
Im Jahr 1953 reist der junge Londoner Student Adam auf Anraten seines Professors in die Toskana. Dort befindet sich die Villa der alteingesessenen Familie Docci mit einem geheimnisvollen Garten, der noch nie wissenschaftlich untersucht wurde. Der Park soll an Fürstin Flora erinnern, die vor mehr als 400 Jahren jung verstarb. Adam macht sich an seine Aufgabe und findet mehr heraus als ihm lieb ist: Mord, Totschlag und Intrigen gehörten nicht nur zur Zeit der Renaissance zum Alltag der Doccis - auch in der Gegenwart kann es gefährlich werden, zu viel zu wissen.
Mehr soll hier nicht verraten werden! Übrigens: ich musste die ganze Zeit an Bomarzo denken und den dortigen "Park der Monster", auch "Heiliger Hain" genannt. Wer dort schon einmal war, wird die im Buch geschilderte Atmosphäre leicht nachvollziehen können! Vielleicht hat dieser Ort dem Autor ja als Inspiration gedient.
Die siebte Stufe



Bernhard Gallistl: Der Restaurator : Roman
Hildesheim : Moritzberg Verl., 2008. 144 S.
Preis: 9,90 Euro (Paperback)
ISBN 978-3-9806093-6-4


Ludmilla und Tiburius sind ein schon länger verheiratetes Paar mit gemeinsamem Interesse an Kunst sowie spiritistischen Sitzungen, in denen die Geister Verstorbener im Jenseits kontaktiert werden sollen. Im gediegen ausgestatteten Haus der beiden steht die Statue einer Psyche, die restauriert werden soll, von der aber niemand weiß, ob sie danach tatsächlich an Wert gewonnen haben wird. Ludmilla zieht einen Restaurator zu Rate - und unversehens wird die Marmorfigur zum Sinnbild der eigenen Ehe, in die der Restaurator einzudringen droht und die ebenfalls eine Generalüberholung nötig hätte ... Der Autor, Dr. Bernhard Gallistl, ist bisher mit wissenschaftlichen Publikationen an die Öffenntlichkeit getreten - dies ist sein erster Roman. Und was für einer! Das schmale Bändchen hat es in sich. Es eignet sich nicht nur gut als Geschenk, es ist auch eines, und zwar an das Lesepublikum. Da wimmelt es von erstaunlichen sprachlichen Vergleichen, da blitzt Humor auf ... Es ist eine weise und leise Geschichte voller Hintersinn, die ich gern gelesen habe. Ein Erlebnis, das ich auch anderen gönne, weshalb ich den Roman gern weiterempfehle. Nehmen Sie sich Zeit dafür, er liest sich nicht weg wie ein Thriller ...!
Bernhard Gallistl - Der Restaurator



Suzi Quatro: Unzipped
London : Hodder & Stoughton, 2007. 358 S. mit Abb.
ISBN 978-0-340-93749-5


Suzi Quatro ist ein Phänomen. 1973 wurde sie über Nacht weltberühmt, als sie eine Marktlücke besetzte, von der man bis dahin gar nicht wusste, dass es sie gab. Faszinierend, wie die nur 1,51 m große Person mit der großen Stimme über die Bühne fegte und dazu noch ihre schwere Bassgitarre schwenkte, als wäre es ein Nichts. Inzwischen ist Quatro fast 60 Jahre alt und begeistert nach wie vor mit einer energiegeladenen Show, wenn auch ihre Musik nicht mehr in den Top Ten der Verkaufshitparaden auftaucht. Als kreativer Mensch hat sie in Musicals mitgespielt und auch selbst eins verfasst, war Darstellerin in einer amerikanischen Sitcom, komponiert viele ihrer Songs selbst und moderiert in England eine Radiosendung. In diesem Buch ist ihre erstaunliche Karriere autobiographisch festgehalten – wie es scheint, ohne Ghostwriter, dafür aber ehrlich und ungeschönt. Suzi Quatro versteht es, spannend zu schreiben, beispielsweise, wenn es um ihre Erfahrungen mit dem Übersinnlichen geht. Wir erleben ihren lebenslangen Kampf um Anerkennung ebenso wie die großen Erfolge hautnah mit, aber auch Tragisches wie die Drogensucht ihres Bruders, Unverständnis und Ausnutzung seitens der Familie, das Scheitern der langjährigen Ehe mit ihrem Bandkollegen Lennie Tuckey. In mitunter etwas rauer und nicht ganz jugendfreier Sprache lässt die Sängerin uns teilhaben an ihrem Leben. Das Buch liegt bislang nur auf Englisch vor; ob eine deutsche Übersetzung geplant ist, weiß ich nicht. Aber es ist ohnehin stets empfehlenswert, den Originalton auf sich wirken zu lassen. Eine literarische Begegnung mit einem außergewöhnlichen Menschen, die man nicht verpassen sollte.
Suzi Quatro: Unzipped



Sebastian Meschenmoser: Herr Eichhorn und der Mond
Esslingen : Esslinger Verlag, 2006. 44 S., durchgehend bebildert
ISBN 3-480-22231-5
Preis: 9,95 Euro


Ein Riesenspaß für Groß und Klein. Dieses Kinderbuch ist von der Story her so skurril und von den Zeichnungen her derart gekonnt, dass man es ruhig auch erwerben kann, wenn man keine Kinder hat. Ich habe tatsächlich Tränen gelacht über das Werk und werde es ganz gewiss so oft verschenken, wie es nur irgend geht. Und das passiert: Auf einer Schweizer Alm rollt ein großer, runder Käselaib vom Wagen, auf den er verladen werden sollte. Auf seinem Weg ins Tal bleibt er in einem Baum hängen - direkt vor der Wohnung von Herrn Eichhorn, der das große gelbe Ding für den Mond hält. Wer aber mag den Mond vom Himmel gestohlen haben? Ängstlich malt sich das Eichhörnchen aus, wie man es für den Täter hält und wie es dann seine Tage im Gefängnis verbringt: ein köstliches Bild, auf dem das Tierchen in Sträflingskleidung neben einem menschlichen Zellengenossen sitzt, der sich die Zeit mit Sticken (!) vertreibt. In der Ecke ist ein WC erkennbar, daneben nochmals ein extra kleines Klo für das Eichhörnchen ... Da gibt es nur eins: der Mond muss verschwinden! Ein Igel, ein Ziegen- bock und viele Mäuse helfen mit bei der Umsetzung dieses Plans ...
Herr Eichhorn und der Mond



Asa Larsson: Weisse Nacht
München : Bertelsmann, 2006. 382 S.
ISBN 3-570-00873-7
Preis: 19,95 Euro


Und noch ein Krimi aus Skandinavien, der durch Spannung, unverschnörktelten Stil, faszinierende Naturbeschreibungen und eine wunderbare Hauptfigur besticht. Kiruna in Nordschweden: Die Pastorin Mildred Nilsson – eine Geistliche, wie frau sie sich wünscht – hatte durch ihren unermüdlichen Einsatz für benachteiligte Frauen sowie ihr Umweltengagement viele Männer und deren alte Seilschaften gegen sich aufgebracht. Der Hass gipfelte schließlich in einem Mord: irgendjemand hat Mildred erschlagen und unter der Orgelempore der Kirche aufgehängt. – Noch ist der Fall ungelöst, da reist die junge Anwältin Rebecka Martinsson nach Kiruna – ihre Heimatstadt -, um die dortigen Kirchengemeinden bei einer bevorstehenden Neustrukturierung zu beraten. Sie entdeckt dabei einen Safe mit Drohbriefen an die Ermordete und wird gegen ihren Willen in die Ermittlungen hineingezogen. Und bald ist für sie nichts mehr, wie es war.
Weisse Nacht



Alexandra Guggenheim: Der Gehilfe des Malers. Ein Rembrandt-Roman.
Reinbek bei Hamburg : Kindler, 2006. 256 S.
ISBN 3-463-40492-3
Preis: 19,90 Euro


Amsterdam im Jahr 1668. Aus einem kleinen Ort auf dem Land kommt der 17-jährige Samuel Bol zum ersten Mal in die große Stadt. Sein großer Traum scheint sich zu erfüllen: der alte Meister Rembrandt nimmt ihn als Schüler an. Bald schon erfährt Bol vom Existenzkampf des umstrittenen Malers, der gesundheitliche wie finanzielle Probleme hat. Doch unverhofft erhält Rembrandt einen lohnenden Auftrag. Der berühmte Anatom van Campen will sich bei einer Leichensektion darstellen lassen – und besteht darauf, dass der Meister einen echten Toten als Modell nimmt. Doch woher einen solchen nehmen? Nur Opfer von Hinrichtungen dürfen öffentlich seziert werden. Allmählich kommt dem Lehrling ein fürchterlicher Verdacht ... Bitte erwarten Sie keinen Thriller! Statt dessen einen gut lesbaren, auch spannenden Roman, der Sie wie eine Zeitmaschine in Rembrandts Zeit entführt. Man sieht, fühlt, schmeckt, riecht förmlich die Welt von damals und erhält überdies einen lehrreichen Einblick in die Arbeitsweise eines damaligen Malers. Selten erstand Rembrandt so lebendig vor den Augen der Leser(innen).
Der Gehilfe des Malers



Musik-CD:
Vanessa Petruo: Mama Lilla Would
Universal Music Domestic Division 2005
Nr.: 987 405 4


Wir wissen nicht, was Mama Lilla machen würde – ich jedenfalls würde diese CD jedem wärmstens empfehlen, der etwas Neues, Außergewöhnliches, Qualitätvolles abseits des Mainstreams sucht. Es ist ja in Deutschland eher ein Hindernis, durch Fernseh-Casting zum Plattenvertrag gekommen zu sein. Doch Vanessa Petruo ist mit dieser Musik, die funkig und teilweise sperrig klingt, inzwischen meilenweit vom Sound der No Angels entfernt, denen sie einmal angehörte. Einiges an diesem Material, bei dem die ganze Bandbreite ihrer Stimme zum Tragen kommt und das vom Arrangement her auch international bestehen könnte, ist sogar selbst geschrieben. Leider ist bisher der kommerzielle Durchbruch dieser CD ausgeblieben – wie es oft geschieht, wenn festgefahrene Erwartungen des Publikums nicht (mehr) bedient werden. So kann man nur hoffen, dass diese junge Künstlerin nicht in der Erfolglosigkeit untergeht – das wäre schade und völlig unverdient. Ein besonderes Plus ist übrigens auch die Gestaltung des Booklets, die Idee mit den Federn ist ganz ausgezeichnet.
Mama Lilla Would



Ann-Marie MacDonald: Wohin die Krähen fliegen. Roman.
Ungekürzte Taschenbuchausgabe
München u.a. : Piper, 2006. 1067 S.
ISBN 3-492-24619-2
Preis: 10,00 Euro


Eine Familiensaga, in der man wegen ihres Umfangs wunderbar lange schmökern kann, spannend - detailreich - glänzend geschrieben, lässt niemanden unberührt. Es geht um die kanadische Familie McCarthy, die jahrelang in der Welt herumzog - der Vater arbeitet beim Militär - und schließlich zu einem Luftwaffenstützpunkt in die Heimat zurückkehrt. Ganz allmählich entwickelt sich die Bedrohung ihres Zusammenhalts: der Lehrer der achtjährigen Tochter Madeleine missbraucht sie und andere Schülerinnen. Keins der Mädchen vertraut sich den Eltern an. Dann wird eine Klas- senkameradin ermordet im Wald gefunden, ein Nachbarsjunge als angeblicher Täter verhaftet. Madeleines Vater könnte ihm ein Alibi geben, doch dadurch würde seine Verstrickung in ein Geheimdienstprojekt ans Tageslicht kommen ...
Wohin die Krähen fliegen



Camilla Läckberg: Die Eisprinzessin schläft. Roman
Berlin : Kiepenheuer, 2005
ISBN: 3-378-00662-5
Preis: 19,90 Euro


Fjällbacka, eine beschauliche Sommerfrische an Schwedens Südwestküste. Im Winter ist hier wenig los. Umso größer die Aufregung, als die Leiche der jungen, schönen und erfolgreichen Alexandra entdeckt wird. Mit aufgeschnittenen Pulsadern liegt sie im gefrorenen Wasser ihrer Badewanne. Die Schriftstellerin Erica Falck, eine Jugendfreundin der Verstorbenen, glaubt nicht an Selbstmord. Zunächst will sie nur einen Nachruf schreiben, sieht sich aber bald mehr und mehr in der Rolle der Privatdetektivin. Glück für Patrik Hedström, einen der ermittelnden Polizeibeamten und ehemaligen Schulkameraden Ericas, denn die Beiden arbeiten schließlich nicht nur Hand in Hand, sondern kommen sich auch privat näher. Hinter den Kulissen der vorgeblich so beneidenswerten Alexandra war nichts so, wie es schien - das wird immer deutlicher ... Nach der Lektüre dieses herausragenden und menschlich berührenden Buches habe ich sehr bedauert, dass mein Schwedisch nicht gut genug ist, um die beiden weiteren Werke, die die Autorin inzwischen veröffentlicht hat, im Original zu lesen. So muss ich nun warten, bis "Der Prediger" (2004) und "Der Steinmetz" (erschienen Juni 2005) ins Deutsche übersetzt werden - was doch hoffentlich recht bald der Fall sein wird ?! Schweden-Krimis sind ja "in" derzeit, aber diesem Buch geht zum Glück die Düsternis manch anderer skandinavischer Autoren ab.
Die Eisprinzessin schläft



Susanne Kraus: Der Knochenpoet. Historischer Roman
Bergisch Gladbach: Bastei-Lübbe, 2005
ISBN: 3-404-15316-2
Preis: 7,95 Euro


Kaiserslautern im Frühjahr 1158. Kaiser Friedrich Barbarossa besucht erstmals die neu erbaute Pfalz und bringt einen bunten Tross an Gefolgsleuten mit. Derweil herrscht auf der nicht weit entfernten Burg Beilstein Aufregung: im Bergfried wird eine Truhe, gefüllt mit Menschenknochen, entdeckt. Gleichzeitig bringt der Spielmann Trushard, Sänger und waghalsiger Akrobat, als Gast des Burgherrn Merbodo von Saulheim Leben in den eintönigen Alltag der Burgbewohner. Da wird ein hoher Beamter des Kaisers ermordet und der Verdacht fällt auf Merbodo, der mit jenem Widerling noch eine Rechnung offen hatte. Während Merbodo untertaucht, setzt seine Tochter Rotrud alles auf eine Karte, um ihrem Vater zu helfen und den wahren Mörder ausfindig zu machen. Unterstützt wird sie dabei vom "Knochenpoeten" Trushard, in den sie sich widerstrebend verliebt. Das ungleiche Paar erlebt bis zum guten Ende spannende und haarsträubende Abenteuer! Eine Fortsetzung scheint möglich und ist von der Autorin auch wohl geplant ... Sehr erfreulich, dass eine Landsmännin und Berufskollegin von mir so einen wundervollen Erstling hinbekommen hat. Das ist ein Roman, wie ich ihn nach "Die Macht der Puppen" gerne selbst geschrieben hätte! (Hat aus verschiedenen Gründen nicht sollen sein.) Da stimmt alles - klasse recherchiert, mit einer gehörigen Portion Witz und einer umwerfend selbstbewussten Heldin. Ein Lesevergnügen, nach dem man traurig ist, weil das Buch zu Ende ist - und hoffnungsvoll, weil es weitergehen könnte.
Der Knochenpoet



Peter Jinks: Mehr als ein Gefühl. Roman
Bergisch Gladbach: BLT Lübbe, 2005
ISBN: 3-404-92184-4
Preis: 8,95 Euro


Magnus, ein junger Schotte, kann sich nur schwer damit abfinden, dass seine Schwester Claire in Afrika auf mysteriöse Weise ums Leben kam. Immer öfter glaubt er sie von weitem auf der Straße zu sehen. Spielt ihm seine Fantasie einen Streich oder ist Claire am Ende gar nicht tot und hält sich nur versteckt? Magnus sucht in Edinburgh den Freundeskreis seiner Schwester auf und geht ihren Hinweisen nach. Eine besondere Rolle scheint dabei eine rätselhafte Figur zu spielen, die Claire in Einzelteile zerlegt kurz vor ihrem Tod (oder Verschwinden?) aus Namibia in die Heimat geschickt hat. - Ich kenne kein vergleichbares Buch. Der Plot ist absolut gelungen - toll, sich so etwas auszudenken; ich habe noch längere Zeit darüber nachgedacht. Am Anfang kommt der Text etwas schwerfällig daher; manche Beschreibungen sind sehr ausführlich geraten, aber darüber sollte man unbedingt hinwegsehen, sonst verpasst man einen der interessantesten Romane der letzten Jahre.
Mehr als ein Gefühl



Antonella Romeo: La deutsche Vita
2. Aufl., Hamburg : Hoffmann & Campe, 2005
ISBN: 3-455-09428-7
Preis: 15,90 Euro


Eine junge italienische Journalistin verliebt sich in einen deutschen Berufskollegen, heiratet ihn und gründet eine Familie. Seit 1990 lebt Antonella Romeo in Hamburg und sammelt Erfahrungen im Unterschied zwischen deutscher und italienischer Mentalität. Sehr persönlich und durchaus gekonnt, oft auch humorvoll, schildert sie ihre Geschichte. Da geht es um den Schwiegervater und seine Nazi-Vergangenheit, um das Italienbild, das viele Deutsche sich zurechtstricken und vieles mehr. Ein äußerst empfehlenswertes Buch, das liebevoll deutsche wie italienische Eigenheiten auf die Schippe nimmt und Verständnis für beide Kulturen weckt.
La deutsche vita



Thomas Quasthoff: Die Stimme
Berlin: Ullstein, 2004
ISBN: 3-550-07590-1
Preis: 24.- Euro


Unter all der autobiographischen Literatur von Möchtegern-Stars und Halb-Prominenten ragt dieses Werk eines Menschen heraus, der wirklich etwas zu sagen hat. Thomas Quasthoff, derzeit wohl Deutschlands bekanntester Bariton und gleichzeitig einer der Besten (zahlreiche Preise, u.a. 3 Grammys), schildert gemeinsam mit seinem Bruder Michael ein Leben, das mit wenig Hoffnung begann und das er doch schließlich meisterte. 1959 in Hildesheim geboren, ist Quasthoff schwer körperlich behindert (Contergan). Obwohl geistig hoch begabt, verwehrt man ihm zunächst den Besuch einer Grundschule und schickt ihn auf ein Internat für Behinderte, wo fragwürdige Zustände herrschen. Die Eltern kämpfen unermüdlich für ihren Sohn, der später doch noch ein Gymnasium besucht und Abitur macht. Dann der nächste Tiefschlag: obgleich mit außergewöhnlicher Stimme begabt, lehnt die Musikhochschule ihn ab - er könne nicht Klavier spielen. Thomas Quasthoff aber nimmt privaten Gesangsunterricht. Noch einige Wege und Umwege braucht es, bis seine Stimme gereift und er selbst sein Ziel, Berufssänger zu werden, erreicht hat. Mit viel Witz, mitunter schwarzem Humor und ohne falsche Bescheidenheit gehen die Quasthoff-Brüder in ihrem Buch zu Werke und bieten auch interessante Einblicke hinter die Kulissen von Show und Politik. Ein sehr empfehlenswertes Buch, für das man nicht unbedingt Klassik-Fan zu sein braucht.
Die Stimme



Martina Borger und Maria Elisabeth Straub: Im Gehege
Zürich: Diogenes, 2004
ISBN: 3-257-06444-6
Preis: 19,90 Euro


Der Lehrer Jon ist Anfang 50, lebt in einer Routine-Ehe neben seiner Frau Charlotte dahin und leistet sich immer wieder mal einen Seitensprung.
Doch als die wesentlich jüngere Kollegin Julie neu an seiner Schule anfängt, bricht der zweite Frühling bei Jon aus. Mit Julie, die seine Leidenschaft zu erwidern scheint, will er ein ganz neues Leben anfangen - für das er notfalls
auch über Leichen geht. Ein Roman, der langsam beginnt und unaufhaltsam an Tempo gewinnt. Mitunter fühlt man sich an Ingrid Noll erinnert, doch kommt im Gegensatz zu den Büchern jener Autorin beim Lesen nie unfreiwillige Sympathie für den Mörder auf. Absolut spannend bis zum Schluss (obwohl ich die richtige Lösung nach 2/3 des Romans wusste; eifrige und vor allem aufmerksame Krimileser/-innen könnten ähnliche Erfahrungen machen). Nichts wie kaufen!
Im Gehege



Musik-CD:
Beth: Otra realidad (Vale Records, Espana)


Die erst 17-jährige Beth Rodergas gewann 2003 ein monatelanges Auswahlverfahren, um ihr Heimatland Spanien schließlich beim Grand Prix (Eurovision Song Contest) gesanglich zu vertreten. Eigentlich sollte die CD,
die auch in Deutschland erhältlich ist, nur ein hübsches Reiseandenken
für mich sein, doch nun dreht sie sich seit mehr als einem Jahr in meinem CD Player und noch immer ist kein Ende abzusehen. Die interessant und gefällig arrangierten, in London eingespielten Songs bringen Sommer und gute Laune zurück, doch auch bei den ergreifend und ohne Pathos vorgetragenen Balladen macht Beth eine gute Figur (z.B. "Estas", Anspieltipp). Inzwischen ist auch ein Livemitschnitt (Doppel-CD) eines in Barcelona gegebenen Konzerts herausgekommen, der beweist, dass die junge Sängerin kein nur durch Studiotechnik aufgepepptes Kunstprodukt ist.
Beth: Otra realidad



Allen Kurzweil: Die Leidenschaften eines Bibliothekars
München : btb, 2004
ISBN: 3-442-73224-7
Preis: 9,50 Euro


Um es gleich vorweg zu sagen: dieser Roman ist ein absolutes Muss für alle Bibliothekare, besonders die an wissenschaftlichen Bibliotheken Tätigen. Eigentlich kaum zu glauben, dass der Verfasser kein Insider sein soll (laut Buchumschlag ist er Journalist), beherrscht er doch die Fachterminologie und beschreibt auf ironisch-witzige Weise Typen, wie sie tausendfach in
Bibliotheken vorkommen - sei es als Mitarbeiter, Chef oder Benutzer.
Ein bisschen autobiographisch wird's schon sein, zumindest die Ähnlichkeit
der Namen von Verfasser und Hauptfigur scheint darauf hinzudeuten: "Alex Short" (= Kurz) / Allen Kurz(-weil) ...
Es geht um eine abenteuerliche Recherche, die eben jener Short im Auftrag
eines wunderlichen alten Herrn unternimmt. Alle Register bibliographischer und anderer Kenntnisse werden gezogen auf der Suche nach einer verschollenen Taschenuhr, die einst Marie Antoinette gehörte. Darüber vernachlässigt Short sogar seine junge Ehefrau. Doch als er herausbekommt, dass sein Auftraggeber ihn hintergangen hat, rächt sich der Bibliothekar auf subtile Weise.

Ein Thriller im strengen Sinne ist das nicht, schon gar kein Krimi. Aber eine höchst vergnügliche, sehr empfehlenswerte Lektüre für Bücherliebhaber/-innen, witzig auf hohem Niveau.
Die Leidenschaften eines Bibliothekars



C. C. Humphreys: Die Hand der Anne Boleyn
München : Piper, 2004
ISBN: 3-492-04599-5

London 1536: Im Tower bereitet sich Anne Boleyn auf ihre Hinrichtung vor. Die zweite Frau Heinrichs VIII. soll aus dem Weg geräumt werden, weil sie dem Herrscher nur eine "nutzlose" Tochter geboren hat. Hierfür hat man eigens einen französischen Henker anreisen lassen, der es versteht, mit dem Schwert zu köpfen: Jean Rombaud. Die gestürzte Königin hat einen letzten Wunsch - Rombaud soll nach ihrem Tod ihre sechsfingrige linke Hand heimlich nach Frankreich bringen, wo sie in ihrer Jugend glücklich war, und dort begraben.
Der Scharfrichter verspricht es und ahnt nicht, auf was er sich da einlässt. Allerhand finstere Gestalten, darunter ein italienischer Kirchendiplomat, trachten ebenfalls danach, die - angeblich mit magischen Kräften versehene - Hand zu besitzen. Es kommt zu einer wahnwitzigen Verfolgungsjagd quer durch Europa, wobei Rombaud ganz im Sinne der 3 Musketiere Freunde und Mitstreiter gewinnt. Dieses Buch hat alles, was zu einem perfekten historischen Roman gehört:
gute Recherche, Tempo, Humor (wenn auch mitunter ganz schön schwarzen). Nicht umsonst ist der Verfasser Schauspieler, Bühnenautor und Choreograph filmischer Fechtszenen. Diese Kenntnisse fließen deutlich mit in die Gestaltung des Werkes ein, so dass man sich die Handlung auch sehr gut verfilmt vorstellen kann. Das Buch ist jeden Cent seines Preises wert und kann nur wärmstens empfohlen werden.
Die Hand der Anne Boleyn